Einfluss von Medien auf das Annotationsverhalten (Arbeitstitel)

Thema:
Einfluss von Medien auf das Annotationsverhalten (Arbeitstitel)
Art:
MA
BetreuerIn:
Andreas Schmid, Florian Bockes
BearbeiterIn:
Vera Wittmann
ErstgutachterIn:
Raphael Wimmer
Status:
in Bearbeitung
angelegt:
2021-04-26
Antrittsvortrag:
2021-06-14

Hintergrund

In der geplanten Masterarbeit soll untersucht werden, wie sich das verwendete Medium auf das Annotationsverhalten auswirkt. Mögliche Medien sind dabei Papier, PC, Laptop, Tablet und Smartphone. Geplant sind hierfür ein bis zwei Studien, ähnlich wie im Folgenden beschrieben. Zum einen soll die Art und Anzahl der Annotationen festgehalten werden und zum anderen die Performance. Dies kann erreicht werden, indem die Probanden zwei fehlerbehaftete Texte erhalten, welche sie annotieren sollen. Im ersten Durchgang geht es dabei darum, wie viele Fehler die Teilnehmer in einer bestimmten Zeit finden. Beim zweiten Mal welche Annotationen vorgenommen wurden und wie oft diese zum Einsatz kamen. Je nach Medium gibt es unterschiedliche Eingabemethoden und Anzeigemodi, die berücksichtigt werden können und möglicherweise das Annotationsverhalten beeinflussen. Außerdem können Fragen in Bezug auf das Vorwissen/die Erfahrung, das verwendete Tool, die Texte oder den kognitiven Workload gestellt werden.

Immer häufiger werden Vorgänge und Aktivitäten ins Digitale übertragen. Dazu gehört auch das Erhalten und Lesen verschiedenster Texte. Insbesondere Annotationen können nicht nur auf Papier, sondern auch in digitaler Form durchgeführt werden. Der Vorteil ist, dass vorgenommene Annotationen in Form von Änderungsvorschlägen, Markierungen etc. direkt per Mail oder ähnlichen weitergeleitet werden können, ohne das entsprechende Dokument zuerst scannen zu müssen. Zudem ist es nicht nötig, dass das Dokument vor dem Annotationsvorgang unbedingt ausgedruckt werden muss. Durch das Hinzufügen von Kommentaren, bleibt das Dokument außerdem übersichtlich und für jeden lesbar, da nicht zuerst die individuelle Handschrift einer Person identifiziert werden muss. Auch ein kollaboratives Vorgehen ist mittlerweile möglich, ohne dass sich die betreffenden Personen am gleichen Ort aufhalten müssen. Für die Durchführung digitaler Annotationen gibt es unterschiedliche Medien wie den PC, Laptop, Tablets oder Smartphones. Diese sind vorwiegend nicht mehr an den Standort gebunden und können von ihrem Nutzer zum größten Teil frei bewegt und mitgenommen werden. Damit verbunden sind auch die verschiedenen Eingabemethoden die über die typische Mauseingabe, das Touch-Pad, die Eingabe mithilfe der Finger (Touch) oder des Stylus-Pens reichen. Aber auch unterschiedlichen Anzeigemodi, die sowohl mit der Größe des Geräts als auch den Präferenzen des Nutzers (halten im Hoch-/ Querformat, Zoom) zusammenhängen. Da vor allem beim Korrekturlesen das Ziel darin besteht möglichst viele Fehler zu entdecken und aufzuzeigen, soll untersucht werden, ob ein Zusammenhang zwischen dem verwendeten Medium und dem Annotationsverhalten der Nutzer besteht. Damit sind die Ergebnisse der geplanten Studie vor allem für diejenigen von Bedeutung, die in ihrem Berufsleben (z. B. im Verlagswesen) aber auch in ihrem Alltag (wie z.B. Studierende) mit dem Lesen, Verbessern oder Annotieren von Texten konfrontiert werden. Darüber hinaus können möglicherweise Lücken aufgedeckt und behoben werden, die sich im Vergleich der verwendeten Medien zeigen bzw. Unterschiede und Präferenzen, die sich bei der Nutzung der Medien ergeben. Das Korrekturlesen bietet sich dahingehend an, da offene Aufgaben (wie etwa die freie Bewertung eines Textes oder das Anfertigen von Notizen zu einem Vortrag) tendenziell von der Mitteilungsfreude sowie der individuellen Meinung und den Gewohnheiten der bearbeitenden Person abhängig sind und einen Vergleich daher eher schwieriger gestalten.

Zielsetzung der Arbeit

Die Fragestellung umfasst nicht nur das verwendete Medium, sondern auch das Annotationsverhalten der (Test-) Personen. Zum einen stellt sich die Frage, ob überhaupt ein Zusammenhang zwischen dem eingesetzten Medium und dem Verhalten der annotierenden Personen besteht. Um einen spezifischeren Einblick zu bekommen, kann zudem nach der Art und Weise, wie das Medium das Annotationsverhalten beeinflusst, gefragt werden. Daraus ergeben sich die zwei nachfolgenden Forschungsfragen. F1: Wirkt sich das verwendete Medium auf das Annotationsverhalten aus? F2: Wie wirkt sich das verwendete Medium auf das Annotationsverhalten aus?

Das Ziel der Arbeit ist es, herauszufinden, inwiefern das verwendete Medium das Annotationsverhalten beeinflusst. Der Fokus kann dabei sowohl auf die Eingabemethode (Stift auf Papier, Maus, Touch-Pad, Finger-Touch, Stylus-Pen) als auch auf gerätespezifische Komponente (Papier-/Displaygröße) und das Anzeigeformat (halten im Hoch-/Querformat, Zoomfaktor, etc.) gesetzt werden. Diese stellen jeweils die unabhängige Variable dar. Die abhängige Variable wird durch das Annotationsverhalten repräsentiert. Unterschieden wird dabei in der Art (Text, Markierung, Durchstreichen etc.), der Anzahl (gesamt oder nach Art) und der Präzision/Performance der Annotationen (Dauer, Menge der gefundenen Fehler in einer bestimmten Zeit). Die einzelnen Hypothesen ergeben sich je aus der Kombination der unabhängigen mit den abhängigen Variablen. H1-3: Die Eingabemethode hat einen Einfluss auf die Art/Anzahl/Präzision der Annotationen. H4-6: Die Displaygröße hat einen Einfluss auf die Art/Anzahl/Präzision der Annotationen. H7-9: Das Anzeigeformat hat einen Einfluss auf die Art/Anzahl/Präzision der Annotationen. Allgemein könnte man diese unter der folgenden Hypothese zusammenfassen. HGes.: Das verwendete Medium hat einen Einfluss auf das Annotationsverhalten.

Konkrete Aufgaben

Je nachdem auf welche Hypothese sich bezogen wird, können unterschiedliche Studien durchgeführt werden. Um die Art und Anzahl der Annotationen nicht zu beeinflussen, ist es vermutlich sinnvoll den Probanden kein Zeitlimit zu setzten. Deshalb sollte die Präzision/Performance in einer separaten Studie untersucht werden. Beide Studien können ähnlich aufgebaut sein: Die Studienteilnehmer erhalten einen Text mit verschiedenen (typischen) Fehlern (Rechtschreibung, Grammatik, …) und den Auftrag den Text so Korrektur zu lesen, wie sie es auch sonst für einen guten Freund, Verwandten etc. tun würden. Anschließend werden die Anzahl und die Art der verwendeten Annotationen dokumentiert. Die Probanden sollten sich dabei ausreichend Zeit nehmen und sich an einem ruhigen Ort aufhalten, ohne abgelenkt zu werden. Möchte man die Performance untersuchen, könnte man den Probanden ein bestimmtes Zeitlimit setzen und anschließend messen, wie viele Fehler in der entsprechenden Zeit gefunden wurden. Beide Studien können nacheinander durchgeführt werden, sodass sowohl die Performance als auch die Art und Anzahl der Annotationen gemessen wird. Um beabsichtigte oder unbeabsichtigte Änderungen des Originaltextes zu vermeiden und einen möglichst nahen Vergleich zu Papier zu erreichen, bietet sich die Verwendung eines PDFs und damit eines PDF-Annotators an. Dabei können Annotationen am Text vorgenommen werden, der ursprüngliche Text bleibt jedoch unberührt/erhalten. Darüber hinaus ist es auch leichter, Änderungen nachvollziehen zu können. Vor allem wenn es sich bei den Annotationen um das Entfernen unnötiger/überflüssiger Textinhalte handelt, die ansonsten gelöscht werden würden. Das vermutlich am häufigsten verwendete Tool ist der PDF Reader von Adobe. Es liegt deshalb nahe diesen zu verwenden. Zudem ist er für die genannten Medien entweder als App oder per Download verfügbar. Somit kann außerdem gewährleistete werden, dass Unterschiede im Annotationsverhalten nicht auf das Verwendete Tool zurückzuführen sind. Der verwendete Text bzw. die verwendeten Texte sollten alle gleich formatiert sein, sodass Varianzen hinsichtlich des Designs ausgeschlossen werden können. Der Text sollte außerdem auf Deutsch sein, da es sich um die Muttersprache der meisten Probanden handeln wird. Er sollte nicht allzu lang sein, aber auch nicht zu kurz und keine komplexen Inhalte vermitteln, sodass der Leser dem Text folgen kann. Geklärt werden müsste jedoch, ob Probanden mehrfach an der Studie teilnehmen dürfen, um beispielsweise Texte mit dem Laptop und dem Tablet zu annotieren und ob eine Person sowohl die Performance-Studie als auch die Studie zur Annotationsart durchführen soll. Die Studie nur mit Personen durchzuführen, die alle Medien zur Verfügung haben, würde die Größe der Stichprobe erheblich einschränken. Jedoch könnten Probanden, die den Adobe Reader für mehrere Geräte installiert haben, die Studie mehrfach durchführen. In diesem Fall müssen mehrere gleichwertige Texte vorbereitet werden. Insbesondere wenn sowohl die Performance als auch Anzahl und Art untersucht werden sollen. Möglicherweise ist es auch sinnvoller den Probanden das verwendete Tool offen zu lassen, sodass Schwankungen in Bezug auf die Annotation nicht auf die Erfahrung mit dem verwendeten Tool zurückgeführt werden können. Nach Verwendung des Tools kann anschließend noch der NASA-TLX eingesetzt werden, um die kognitive Anstrengung der Probanden zu messen, sowie weitere Fragen, um die Schwierigkeit der Texte zu ermitteln. Außerdem kann ein Fragebogen erstellt werden um die Handhabung und die Sicherheit in Bezug auf das Tool, und die Erfahrung der Probanden im Durchführen von Annotationen abzufragen. Auch ob die Probanden eine Lesehilfe (Brille, Kontaktlinsen) verwenden könnte von Bedeutung sein, genauso wie die Muttersprache der Testpersonen. Zusätzlich kann bei der Messung der Art und Anzahl der Annotationen auch noch kontrolliert werden, wie viel Zeit sich die Probanden für die Durchführung genommen haben, sprich wie lange sie das Dokument insgesamt annotiert haben.

Erwartete Vorkenntnisse

Keine

Weiterführende Quellen

Nach Absprache mit dem Betreuer.

arbeiten/annotation_und_medium.txt · Zuletzt geändert: 31.05.2021 12:06 von Florian Bockes
Recent changes RSS feed Debian Powered by PHP Valid XHTML 1.0 Valid CSS Driven by DokuWiki